Frauenspezifische Psychotherapie
 
Der Begriff „frauenspezifische Psychotherapie“ bezieht seine Grundlage aus der Erkenntnis, dass jede Form der Psychotherapie in einem kulturellen, historischen und gesellschaftspolitischen Kontext gesehen werden kann.
 
Geschichtlicher Hintergrund
Die frauenspezifische Psychotherapie entwickelte sich in den 1970er-Jahren in den USA in Verbindung mit der politischen Frauenbewegung. Erstmals wurden gängige Therapieformen als für Frauen nicht  zielführend bzw. sogar als kontraproduktiv kritisiert.
 
„… Ganz entscheidend ist für uns (…), dass wir in unserer klinisch-psychologischen Tätigkeit immer wieder mit den negativen Konsequenzen konfrontiert waren, die sich für Frauen in psychologischer Beratung und Therapie dadurch ergeben, dass nicht angemessen berücksichtigt wird, inwiefern ihre psychische Situation und ihr Leiden durch ihre Existenz als Frau in unserer Gesellschaft beeinflusst werden …"
(Alexa Franke und Annette Kämmerer im Vorwort zum von ihnen herausgegebenen Lehrbuch: Klinische Psychologie der Frau, 2001)
 
Frauenspezifischer Ansatz
In der Folge wurde ein Modell entwickelt, das die besondere gesellschaftliche Situation von Frauen berücksichtigt. Dabei geht es um ein erweitertes Verständnis von psychischen Problemen von Frauen und deren häufig traumatischem Hintergrund.
 
Die nach wie vor geschlechtsspezifische Sozialisation, die soziale und ökonomische Benachteiligung, die oft vorhandene Mehrfachbelastung durch Familie und Beruf, fehlende sexuelle Selbstbestimmung sowie sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen hinterlassen gravierende Spuren und Wunden im psychischen Erleben. Diese Wunden werden primär als verstehbare Reaktionen auf unerträgliche Lebensumstände begriffen, anstatt lediglich als innerpsychische Konflikte.
 
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